Metalle in E-Zigaretendampf

Metalle in E-Zigaretten-Dampf

Christian Allgemein, Gesundheit 0 Comments

Hintergrund: Studie findet Metalle in E-Zigaretten, Liquids und Aerosolen

Im Februar 2018 veröffentlichten Forscher der John Hopkins University die Ergebnisse der Studie: “Metal Concentrations in e-Cigarette Liquid and Aerosol Samples: The Contribution of Metallic Coils”. Die Forscher fanden bei ihrer Untersuchung Metalle wie Blei, Nickel, Aluminium, Chrom, Zink, Mangan, Eisen und Kupfer.

Grundsätzlich ist das alles nichts Neues. Denn schon in früheren Studien fand man ähnliche Konzentrationen im Dampf der E-Zigaretten. Allein die Interpretation der Ergebnisse unterscheidet sich. Denn wo andere Forscher aufgrund der geringen Mengen keine Gefahr sehen, schlagen seit dieser Studie vor allem die Medien Alarm.

Wir haben lange und umfassend recherchiert um herauszufinden was dran ist, wie groß die Gefahr ist und wie man ein mögliches Risiko selbst aktiv minimieren kann.

Ursache: Woher kommen die Metalle und Schwermetalle?

In der Studie wurden Metalle sowohl im Liquid, als auch in den E-Zigaretten-Tanks und im Aerosol gefunden. Dabei waren die Konzentrationen im Dampf am höchsten.

Metalle emittieren aus erhitzten Draht

Das ist wenig überraschend, denn die Vermutung liegt nahe, dass der Hauptteil der Metalle aus dem Draht des Verdampferkopfes kommt. Nicht nur weil dieser aus Metall ist, sondern auch weil er während der Nutzung auf über 200° C erhitzt wird. Und je höher die Temperatur, desto leichter können sich Bestandteile des Drahtes lösen und in das Aerosol übergehen.

Allgemeine Toxizität und Risikopotential

Metalle können schädlich für den Menschen sein. Aber natürlich sind nicht alle Metalle gleich. Zum Beispiel sind Zink und Kupfer in geringen Dosen sogar essentiell für verschiedene Organfunktionen.

Blei, Chrom und Nickel am gefährlichsten

In der Studie identifiziert man vor allem Blei, Chrom und Nickel als potentielles Gesundheitsrisiko. Im erweiterten Kreis sehen die Forscher auch Cadmium und Mangan als potentielle Gefahrenquelle.

Auch bei Metallen gilt: Die Dosis macht das Gift

Wie bei jedem anderen Stoff auch, ist die Toxizität und Gefährlichkeit von Metallen natürlich extrem dosisabhängig. Z.B. können auch gesunde Metalle, wie Zink, in zu hoher Konzentration Krebs und andere Krankheiten, wie Morbus Alzheimer, verursachen.

Jeder Mensch nimmt täglich viele Schwermetalle auf. Zum einen über sich herauslösende Moleküle aus metallischen Gegenständen wie Pfannen oder Heizspiralen in Fönen. Zum Anderen stecken sie selbst in Obst und Gemüse.

Da der biochemische Effekt und die Schädlichkeit der Metalle so stark von ihrer Dosis abhängen, müssen wir erst einmal herausfinden wie die gefundenen Mengen in ihrer Auswirkung auf die Gesundheit einzuschätzen sind.

Einordnung der gefundenen Mengen

In diesem Anschnitt wollen wir uns mal anschauen welche Metalle in der kritischsten Studie (der John Hopkins University) gefunden wurden, und wie die gefundenen Mengen einzuordnen sind.

Diese Metalle wurden im Dampf gefunden

Die hier aufgeführten Werte sind Durchschnittswerte. Nun sagen diese Mengen dem Laien natürlich nicht allzu viel. Zink (Zn) wurde in den höchsten Konzentrationen gemessen, ist aber auch nicht so giftig wie Blei (Pb) oder Nickel (Ni).

Zu beachten ist vor allem die Einheit, welche in Mikrogramm pro Kilogramm (also Milliardenstel) angegeben ist. Das heißt, ein Dampfer mit einem Liquidverbrauch von 10 ml pro Tag, würde täglich 0,000000148 g Blei inhalieren.

Vergleich mit anderen Metall-Emissionen

Neben den weiter unten aufgeführten Expertenmeinungen, hat mich auch interessiert wie wohl die Metall-Emissionen in anderen Bereichen ausfallen. Schließlich finden wir Metalle überall bei uns im Alltag. Auch wenn das nicht hochgradig wissenschaftlich ist, gibt es mir ein besseres Verständnis um die gefundenen Mengen einschätzen zu können.

Metalle in Tabakzigaretten vs. E-Zigaretten

Am Wichtigsten ist mir der Vergleich mit Tabakzigaretten. Schließlich geht es den meisten Dampfern darum, die Finger von den Kippen zu lassen. Ehrlich gesagt, hat mich das Ergebnis ein bisschen verwundert. Ich dachte nicht dass in Zigarettenrauch überhaupt Metalle zu finden sind. Da in E-Zigaretten viele Metalle (Tankgehäuse, Verdampferkopf, Draht) vorkommen, hätte ich eigentlich damit gerechnet dass zumindest in dieser Disziplin die Tabakzigarette den Vergleich gewinnt. Dem ist aber nicht so. Denn die Tabakpflanzen holen sich die Metalle während dem Wachstum aus dem Erdreich. Deshalb sind übrigens auch in Gemüse und Obst viele Metalle enthalten.

Die Werte stammen von Dr. Farsalinos, der in diesem Video die Tabakzigarette mit dem Tabakerhitzer IQOS und der E-Zigarette vergleicht.

Blei im Blut

Bei meinen Recherchen zu Metallen im Blut von Rauchern und Nichtrauchern bin ich auf eine interessante Studie aus Indien gestoßen. Dort hat man die Bleikonzentrationen im Blut von Rauchern und Nichtrauchern verglichen. Obwohl Tabakrauch so viel Blei enthält (s.o.), macht es einen viel größeren Unterschied ob man auf dem Land oder in der Stadt arbeitet. In der Stadt sind die Werte etwa 6-7 mal so hoch.

Blei-Konzentrationen im Blut: Farmer vs. Taxi-Fahrer

Das hat jetzt zwar nicht direkt etwas mit E-Zigaretten zu tun, aber ich finde es zeigt ganz einfach dass die Bleimengen in Tabakzigaretten schon auf vergleichsweise niedrigem Niveau sind (verglichen mit Stadtemissionen), und die der E-Zigarette noch mal deutlich unter diesen liegen.

Expertenmeinungen zu Metall-Aerosolen

Nachdem ich erst einmal selbst versucht habe die verschiedenen Studien zu analysieren, und deren Ergebnisse einzuordnen, habe ich nachgeforscht wie verschiedene Experten bzw. Wissenschaftler die Metallkonzentrationen interpretieren.

Dr. Farsalinos – Gefahr erst ab 100ml Liquid / Tag

Dr. Konstantinos Farsalinos ist Mediziner (spezialisiert auf innere Medizin und Kardiologie) und gilt als einer der größten Experten auf dem Gebiet der E-Zigaretten bzw. deren Auswirkungen auf die Gesundheit. Er hat sich schon 2015 mit Metallen im E-Zigaretten-Aerosol beschäftigt und eine Analyse zu den gesundheitlichen Risiken der Metallemissionen veröffentlicht.

Allerdings kam er dabei zu einem vollkommen anderen Schluss als seine Kollegen der John Hopkins University. Kurz nachdem die Studie veröffentlicht wurde, nahm er öffentlich Stellung:

“Die ‘signifikanten Mengen’ von Metallen, welche die Autoren berichten gefunden zu haben, wurden in µg/kg gemessen. Tatsächlich sind sie in einigen Fällen (Chrom und Blei) so gering, dass ich errechnet habe, dass man über 100ml pro Tag dampfen muss, um die tägliche Höchstmenge für inhalative Medikation der FDA zu überschreiten. Die Autoren haben wieder einmal sich selbst und alle anderen verwirrt, indem sie Höchstmengen für die Umwelt, die für jeden einzelnen Atemzug errechnet sind, auf das Dampfen angewendet haben. Jedoch atmen Menschen mehr als 17.000 Mal am Tag ein, aber ziehen nur 400 – 600 Mal an einer E-Zigarette.”Dr. Konstantinos Farsalinos

Grundsätzlich ist Farsalinos nicht dafür bekannt Dinge zu verharmlosen, sondern hat schon früher darauf aufmerksam gemacht, dass man Metallemissionen auch minimieren kann. Denn auch wenn sie nur in (fast) vernachlässigbaren Konzentrationen auftauchen, stellen sie ein unnötiges Restrisiko dar. Unnötig vor allem dann, wenn man sie durch eigenes Verhalten minimieren kann. Darum rät er Selbstwicklern z.B. dazu auf den sogenannten Dry-Burn zu verzichten. Mehr Infos dazu findet ihr hier.

Prof. Dr. Mayer – Nur Fuzzi-Schadstoffe

Prof. Dr. Bernd Mayer ist Toxikologe an der Universität Graz. Er hatte in einem Statement gegenüber dem deutschen Bundestag folgende Stellungnahme abgegeben:

“…die Emissionen anderer schädlicher Stoffe (Nitrosamine, Metalle,
und CO) sind nicht nachweisbar oder weit unter den Grenzwerten für Schädlichkeit.”Prof. Dr. Bernd Mayer

Bernd Mayer gilt als einer der größten Befürworter der E-Zigarette. Er hat sich auch kürzlich zur ersten Ultraschall E-Zigarette, welche ohne Draht auskommt, geäußert. Für ihn sind das alles keine ernsthaften Risiken, sondern “Fuzzi-Mengen” an Schadstoffen, welche durch die Ultraschall E-Zigarette auf “Fuzzi-Fuzzi Mengen” reduziert würden. Er hält die Diskussion für überflüssig. Zu gering seien die gemessenen Werte. Selbst in Obst und Gemüse ließen sich zahlreiche toxische und krebserregende Stoffe nachweisen – es kommt halt immer auf die Dosis an.

Prof. Dr. Stöver – Man sollte die Geräte noch sicherer machen

Prof. Dr. Heino Stöver ist Hochschullehrer an der Frankfurter Universität und Direktor des Instituts für Suchtforschung (ISFF). Er ist jemand der sich sehr intensiv damit beschäftigt hat, wie die Schädlichkeit der E–Zigarette einzuordnen ist. Seine Erkenntnisse hat er in dem bis dato einzigen wissenschaftlichen Buch “Die E-Zigarette; Geschichte – Gebrauch – Kontroversen” veröffentlicht. Zu dem Thema Metalle in E-Zigaretten, schreibt er Folgendes:

“Eine weitere Untersuchung bestätigte ebenfalls eine Freisetzung von Metallen und Silikatpartikeln (Williams, 2013). Die toxikologische Relevanz dieser Befunde wurde jedoch in einem Übersichtsartikel in Frage gestellt (Farsalinos, 2015c). Toxikologische Risiken durch Metalle beim Dampfen auf der Grundlage einiger weniger Untersuchungen generell auszuschließen, erscheint nicht sinnvoll. Dabei sollte zukünftig auch die Frage geklärt werden, inwieweit sich die Qualitätsansprüche einzelner Hersteller unterscheiden.”Prof. Dr. Heino Stöver

Grundsätzlich kommt er in seinem Buch zu dem Fazit, dass die E-Zigarette – wenn überhaupt – weit weniger schädlich sei als die Tabakzigarette, und eine stärkere Verbreitung sehr hilfreich für die Schadensminimierung und den Kampf gegen die Zigarettensucht wäre. Allerdings ist er für eine gleichzeitige Verbesserung der Geräte in Richtung einer weiteren Schadstoffreduktion. Dies gilt laut dem oben genannten Auszug aus seinem Buch auch für Metalle.

Dr. Vladimir B. Mikheev – Vielleicht sind nanopartikel gefährlich

Vladimir B. Mikheev ist ein Wissenschaftler der die Studie Real-Time Measurement of Electronic Cigarette Aerosol Size Distribution and Metals Content Analysisdurchgeführt hat.

“Die Größenverteilung des E-Zigaretten-Aerosols ist anders als die des Tabakrauchs. E-Zigaretten generieren eine große Anzahl an Nanopartikeln und ihr chemischer Aufbau bedarf weiterer Untersuchungen. Trotz der geringen Masse an Nanopartikeln, könnte ihre toxikologische Wirkung signifikant sein.”Dr. Vladimir B. Mikheev

Mikheev hat die Studie im Auftrag der FDA durchgeführt, welche zu dem Zeitpunkt der Erstellung, sehr heftig gegen die E-Zigarette vorgegangen ist. Trotzdem wollen wir seine Ansicht hier nicht vorenthalten.

Nach seiner Theorie könnten sich die Nanopartikel eventuell mit anderen Chemikalien verbinden und tiefer in die Lunge und letztlich auch in andere Organe vordringen.

Dass zu viele Nanopartikel nicht gut für uns sind, wurde in mehreren Studien (in vivo und in vitro) nachgewiesen. Dazu sollte man aber wissen, dass wir schon immer Nanopartikel eingeatmet haben und auch ständig einatmen. Auch hier kommt es ganz einfach auf die Menge an.

Farsalinos ist in einer seiner Arbeiten (Are Metals Emitted from Electronic Cigarettes a Reason for Health Concern? A Risk-Assessment Analysis of Currently Available Literature) auch auf Nanopartikel eingegangen, sagt aber, dass diese bei der Definition der unteren Grenzwerte für die Schädlichkeit berücksichtigt werden. Schließlich werden die Grenzwerte hauptsächlich für Arbeitsplätze definiert, an welchen sich ebenfalls viele Nanopartikel nachweisen lassen. Deshalb kann er hier keine Gefahr erkennen.

Dr. Pablo Olmedo – Relevante Menge toxischer Metalle

Zu guter Letzt sollten wir auch die Ansicht des Autors bzw. Autorenteams der kritischsten Studie betrachten, welche dementsprechend auch das größte Medienecho ausgelöst hat. Wie gesagt, sind die Werte denen anderer Studien sehr ähnlich, werden aber deutlich drastischer interpretiert:

“Unsere Resultate erweitern die bestehende Evidenz, dass E-Zigaretten eine relevante Expositionsquelle von einer Vielzahl an toxischen Metallen, wie Cr, Ni und Pb, sowie für die Inhalation potentiell toxischer Metalle wie Mn und Zn sind.”Dr. Pablo Olmedo

An der Studie wird vor allem kritisiert, dass die Grenzwerte für Raumluftkonzentrationen herangezogen, und nicht auf eine realistische Anzahl an Zügen/Tag umgerechnet wurden. Man geht in der Studie also davon aus, dass der E-Zigaretten-Nutzer jeden Atemzug durch die E-Zigarette macht.

Was mich persönlich an der Studie aber am meisten stört, ist dass offensichtlich überhaupt kein Interesse darin bestand neue Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie man die Metalllemissionen reduzieren könnte. Denn die Autoren teilen die 56 getesteten Geräte in folgende Kategorien auf: “Kanthal”, “Andere/Kombinationen” und “Unbekannt”. Diese Aufteilung erlaubt leider keinerlei Rückschlüsse darüber, ob Kanthal weniger/mehr Emissionen verursacht als z.B. ein Draht aus Nickelchrom, Titan oder Edelstahl.

Das heißt in einer Studie in der es um Metallemissionen geht, haben sich die Forscher nicht einmal die Mühe gemacht zu analysieren was für Metalle als Drahtmaterialien eingesetzt wurden. Und genau das sollte uns doch eigentlich am meisten interessieren. Denn so hätten wir dann Empfehlungen für bestimmte Drahtsorten geben und eventuell vor anderen Sorten warnen können. Die Studie hätte damit einen echten Mehrwert für die Verbraucher generiert – so wurden nur Schlagzeilen produziert.

Aber genug der Theorie – kommen wir zum praktischen Teil…

Metallemissionen aktiv minimieren

Da sich die Wissenschaftler und Experten nicht einig sind, ob eine Gefahr von den Metallen in E-Zigarettendampf ausgeht, scheint es uns am sinnvollsten die Emissionen zu minimieren.

Deshalb wollen wir Euch in diesem Abschnitt aufzeigen, wie man die potentielle Gefahr emittierender Metalle selbst reduzieren kann.

Weniger ist mehr

Wenn man Metallemissionen minimieren möchte, ist der einfachste Weg natürlich weniger zu dampfen. Das heißt nicht zwangsläufig dass man weniger Züge machen muss – man kann auch einfach auf kleinere Geräte wechseln. Die leistungsschwächeren Geräte haben auch entsprechend weniger Drahtmaterial verbaut. Und je weniger Drahtmaterial, desto weniger Metall wird freigesetzt – zumindest wenn die Temperatur identisch ist. Womit wir beim nächsten Punkt wären…

Im unteren Leistungsbereich dampfen

Wie eingangs erwähnt, ist vor allem die Temperatur entscheidend dafür, wie viel Metall sich aus dem Draht lösen kann. Deshalb empfehlen wir allen, die solche Emissionen reduzieren möchten, am unteren Ende des angegebenen Leistungsbereichs zu dampfen.

Das heißt, wenn man z.B. gerne bei 30 Watt dampft, ist es besser dies mit einem Verdampferkopf zu tun der einen angegeben Leistungsbereich von 30-50 Watt hat, als mit einem Verdampferkopf der 10-30 Watt als Leistungsspektrum angibt. Denn bei letzterem ist weniger Drahtmaterial verbaut, welches bei gleicher Leistung deutlich stärker erhitzt wird als ein größer dimensionierter Verdampferkopf.

Außerdem ist der Dampf dann auch etwas kühler, was von den meisten als angenehm empfunden wird. Die Nachteile sind eine etwas längere Aufheizphase und ein etwas höherer Akkuverbrauch (weil mehr Material aufgeheizt werden muss).

Auf das Ausglühen (Dry-Burn) verzichten

Mit dem Ausglühen des Drahtes beseitigt man Verschmutzungen des Drahtes und kann vor allem bei komplexeren Drahtkombinationen Unregelmäßigkeiten erkennen und beheben. Dennoch warnt Dr. Farsalinos davor, den Draht vor der Inbetriebnahme auszuglühen (Dry burning metal coils: is it a good thing?).

Beim Ausglühen wird der Draht auf über 700° C erhitzt. Dabei enstehen nicht nur neue Metallverbindungen, sondern es bildet sich auch eine Oxidschicht auf dem Metall, aus welcher sich feine Partikel schneller herauslösen können als bei einem Draht der nicht ausgeglüht wurde.

Allen die immer fleißig ihre Coils ausglühen weil sie es so gelernt haben, brauchen jetzt aber auch nicht in Panik zu verfallen. Prof. Mayer (Toxikologe der Uni Graz) hält diese “kleinen” Schadstoffmengen nicht für relevant. Er ist selbst Dampfer und glüht seine Drähte immer aus. Und auch Farsalinos sagt, dass die Belastung auch nach dem Ausglühen wahrscheinlich unter der kritischen Grenze bleibt.

Trotzdem wollen wir hier die ideale Vorgehensweise beschreiben:

Optimale Vorgehensweise beim selber wickeln

Für minimale Schadstoffemissionen wäre es ideal außer der Watte auch jedes Mal einen neuen Draht zu benutzen. Um Verschmutzungen zu beseitigen kann man ihn vor dem Wickeln mit Alkohol reinigen. Unsere eigenen vorgefertigten Drähte reinigen wir zudem per Ultraschall um kleine Partikel und Metallstaub zu entfernen.

Ultraschall E-Zigarette

Es gibt bis jetzt erst eine Ultraschall E-Zigarette auf dem deutschen Markt (USONICIG). Anstatt einem Draht hat sie ein Keramikplättchen. Das vibriert mit 2,4 Millionen Schwingungen pro Sekunde. Durch Kavitation wird das Liquid bei deutlich nierigeren Temperaturen vernebelt. Da auch in den Liquids Metalle gefunden wurden, wird man auch in ihrem Dampf Metalle finden, aber diese sollten noch mal deutlich reduziert sein. In dem Artikel “USONICIG Rhythm – Alles zur ersten Ulltraschall E-Zigarette” haben wir das Gerät auch schon ausführlich vorgestellt.

Welche Drahtmaterialien sind am sichersten?

Gleich vorweg möchte ich Euch mitteilen dass alles was jetzt kommt gewissermaßen nur Theorien sind. Es gibt noch keine Studien die tiefere Rückschlüsse auf die Emissionen der unterschiedlichen Drahtmaterialien zulassen. Wir hoffen dass bald noch Studien folgen, welche sich auch zum Ziel machen die E-Zigarette nicht nur zu bewerten, sondern sie auch sicherer zu machen.

Wir möchten Euch aber trotzdem eine Einschätzung geben, welche Materialien wir als relativ sicher einschätzen, und welchen wir eher kritisch gegenüber stehen.

1) Edelstahl (SS304 / SS316 / SS316L / SS317)

Edelstahllegierungen schätzen wir als die sicherste Variante ein. Sie bestehen hauptsächlich aus Chrom und Nickel. Edelstähle sind sehr temperaturstabil (Schmelztemperatur um 1.400° C) und haben generell ein breites Anwendungsfeld. SS304 (auch V2A genannt) wird zum Beispiel gerne für Pfannen verwendet, während SS316 (V4A) auch in der Lebensmittelverarbeitung, Medizin und Trinkwasserinstallation eingesetzt wird.

Durch das breite Anwendungsfeld, vor allem im Lebensmittelbereich und der Medizin, gibt es viele Studien zu den verschiedenen Edelstählen und sie gelten auch bei höheren Temperaturen als sicher. Allerdings ist die Anwendungstemperatur meistens mit einer Temperatur von bis zu 250° C angegeben. Das heißt, auch hier empfehlen wir es nicht zu übertreiben und an die Leistungsgrenze zu gehen, sondern lieber eine etwas längere Aufheizphase in Kauf zu nehmen.

Tipp: Viele Akkuträger bieten eine sogenannte “Pre-Heat”-Funktion. Damit lässt sich die Aufheizphase durch eine kurzzeitig erhöhte Initialleistung deutlich reduzieren. Edelstahl ist durch den Nickelanteil auch TC-fähig (temperaturgeregeltes Dampfen). Da viele Geräte dies allerdings sehr ruppig und unpräzise regeln, empfehlen wir im TC-Modus die Leistungsbegrenzung zu nutzen, und entsprechend anzupassen, damit die Temperatur im ersten Moment nicht zu hoch hinaus schießt.

2) Titan

Titan ist eigentlich auch sehr sicher. Es ist weder toxisch, noch karzinogen und wird deshalb sogar für Implantate im menschlichen Körper verwendet.

Allerdings gibt es eine Einschränkung: Obwohl die Schmelztemperatur von Titan mit über 1.600° C am höchsten aller hier vorgestellten Metallsorten ist, kann sich schon ab ~600° C Titandioxid bilden. Titandioxid wird als “wahrscheinlich krebserregend” eingestuft und es wird vermutet dass eingeatmete Nanopartikel von Titandioxid eine Immunreaktion auslösen können.

Für Fertig-Coils ist das nicht wirklich relevant, da man höchstens bei einem extremen Dry-Hit (Dampfen bei trockener Watte und/oder übertriebener Leistung) solche Temperaturen erreichen könnte. Doch Selbstwicklern empfehlen wir den Draht nicht auszuglühen. Beim Ausglühen des Drahtes erreicht man nämlich problemlos 700-800° C.

3) Kanthal

Kanthal ist eigentlich kein Material, sondern die Handelsmarke des schwedischen Unternehmens Sandvik. Das was man umgangssprachlich unter Kanthal versteht ist eine Metalllegierung aus Chrom, Aluminium und Eisen. Kanthal ist ähnlich temperaturstabil wie Edelstahl (Schmelztemperatur um 1.400° C). Es wird hauptsächlich für Heizelemente (z.B. im Herd) genutzt.

Gesundheitlich bedenklich sind sowohl Chrom als auch Aluminium. Letzteres kennen wir schon aus der Diskussion rund um Deodorants, da vermutet wird, dass der Aluminiumanteil in Deos Brustkrebs auslösen kann.

Noch giftiger ist aber Crom(VI)-oxid (auch Chromtrioxid), welches sich bei hohen Temperaturen aus dem Chromanteil lösen kann. Es ist hochtoxisch, mutagen und krebserregend.

Das klingt alles nicht sehr sicher, aber wir sollten im Hinterkopf behalten, über welche Mengen wir hier sprechen. Kanthal ist das verbreitetste Material für Verdampferköpfe, d.h. auch in den Studien wurden hauptsächlich Verdampferköpfe mit Kanthaldraht untersucht. Dass sich bei den Studien nicht viele Schadstoffe finden ließen, spricht also für die Sicherheit des Materials.

4) Nickelchrom

Nickelchrom (auch Nichrome oder Ni80) ist eine Legierung aus Nickel und Chrom. Es wird vor allem wegen dem hohen Nickelgehalt kritisiert. Es ist nicht so weich wie reiner Nickel (Ni200), was vermuten lässt, dass sich auch weniger Bestandteile aus dem Verbund lösen. Das ist aber im Bereich der Spekulation. Wie gesagt gibt es noch keine Studien, die darüber Aufschluss geben würden.

5) Nickel

Nickel (oft auch Ni200) ist ein toxisches und krebserregendes Material. Außerdem gibt es viele Nickelallergiker die auch auf Kleinstmengen reagieren können. In den Dampferforen berichten immer wieder mal Nickelallergiker von unangenehmen Reaktionen nachdem sie mit Nickeldrähten gedampft haben. Aus diesen Gründen schätzen wir Nickel – aus gesundheitlicher Sicht – als das schlechteste Drahtmaterial ein.

Wir hoffen dass wir mit diesem Beitrag ein wenig Licht ins Dunkel bringen konnten. Und sollten jetzt noch Fragen offen sein, freuen wir uns über Deinen Kommentar!

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