Teelöffel mit Sucralose

Sucralose – Fakten und Einschätzungen

Christian Allgemein Schreibe einen Kommentar

Was ist Sucralose?

Sucralose (E 955) ist ein sehr potentes Süßungsmittel. Es ist etwa 600 Mal süßer als Zucker und ist, sowohl in der Lebensmittelindustrie, als auch in E-Zigaretten Liquids und Aromen sehr stark verbreitet.

Warum wird Sucralose in Liquids verwendet?

Schon geringe Mengen von Sucralose sorgen für ein sehr süßes und intensives Geschmackserlebnis. Sucralose dient aber nicht nur als Süßungsmittel, sondern auch als Geschmacksverstärker. Viele Aromen kommen nach der Zugabe von Sucralose einfach stärker zur Geltung. Deshalb ist es bei den Liquid- und Aromenherstellern so beliebt.

Wie verbreitet ist Sucralose in Deutschland?

Sucralose wird weltweit, und auch in Deutschland, sehr häufig in Lebensmitteln, aber auch in klassischen E-Liquids, Aromen, Shortfills und Longfills eingesetzt. Nachdem die öffentliche Diskussion um Sucralose in Deutschland größer wurde, haben viele Liquidhersteller mit Erschrecken festgestellt, dass es nicht damit getan ist Sucralose einfach gegen ein anderes Süßungsmittel auszutauschen. Denn dann veränderte sich das gesamte Geschmacksprofil. Also haben viele Hersteller die Diskussion einfach ausgesessen und verwenden den Süßstoff nach wie vor.

Wie gefährlich ist Sucralose in E-Zigaretten Liquids?

Sucralose gilt in Lebensmitteln als unbedenklich, allerdings wurde festgestellt, dass bei Erhitzung des Stoffs auf über 120° C, Dioxine freigesetzt werden. Dioxine sind chlorierte organische Verbindungen (PCDD/PCDF) und gehören zu den giftigsten vom Menschen hergestellten Substanzen. Und je nach Liquid-Zusammensetzung erreichen wir beim Dampfen - wenn auch nur sehr kurz - Temperaturen von 190-290° C.

Aber auch hier gilt natürlich: Die Dosis macht das Gift. Denn faktisch sind wir in unserem Alltag häufig Dioxinen ausgesetzt. Sie sind vor allem in vielen tierischen Lebensmitteln enthalten und auch beim Rauchen einer Zigarette entstehen Dioxine (ca. 0,1 pg / Zigarette). Das ist auch das Hauptargument derjenigen, die behaupten Sucralose wäre harmlos. Sie sagen, dass wir solch kleine Mengen auch täglich über Abgase im Straßenverkehr inhalieren oder über die Nahrung aufnehmen.

Ob von einem sucralosehaltigen Liquid nun eine Gefahr ausgeht, kommt also vor allem darauf an, wie viel Sucralose im Liquid enthalten ist, bei welcher Temperatur das Liquid verdampft und wie viel Dampf letztlich in der Lunge ankommt. Denn je mehr Sucralose, und je höher die Verdampfungstemperatur, desto mehr Dioxine können potentiell entstehen.

Was sagt die Wissenschaft zu der Gefährlichkeit von Sucralose?

Für die Wissenschaft ist dieses Thema natürlich auch ziemlich neu. Es gibt Studien zu Backwaren, die nahelegen Sucralose nicht zu verwenden, da die Dechlorierung, und damit verbundene Schadstoffentstehung, schon ab 120° C anfängt. 

Für E-Zigaretten gibt es nur eine veröffentlichte Studie, deren Autoren Sucralose in E-Liquids ebenfalls als potentiell schädlich einschätzen:

“Es wurde festgestellt, dass Sucralose abgebaut wird, wenn sie in E-Liquids auf Propylenglykol- und Glycerinbasis enthalten ist und verdampft wird; das Vorhandensein von Sucralose in den E-Liquids führte auch zu einem veränderten und verstärkten Lösungsmittelabbau. Insbesondere wurde die Produktion von Aldehyden (Carbonyls) und Halbacetalen (die Auswirkungen auf die Gesundheit haben) erhöht, wie durch 1H NMR nachgewiesen wurde. Das Vorhandensein von Sucralose in Höhe von 0,03 Mol-% in einem E-Liquid führte ebenfalls zur Bildung potenziell schädlicher chlororganischer Verbindungen und katalysierte die Zyklisierung von Aldehyden mit Lösungsmitteln zu Acetaten beim Dampfen.”

Was sagen Experten zu Sucralose in Liquids?

Da der Einsatz von Sucralose in E-Liquids, bis auf den vermeintlichen geschmacklichen Vorteil, nur zusätzliche Risiken birgt, raten Experten von deren Konsum ab.

Das BfR empfiehlt Sucralose in Backwaren zu meiden

Toxikologe Prof. Dr. Bernd Mayer (allgemein ein absoluter Befürworter von E-Zigaretten) von der Uni Graz gab folgende Stellungnahme ab:

“Im Wesentlichen sage ich, dass

(i) bei Erhitzung von Sucralose toxische Substanzen entstehen,

(ii) aufgrund fehlender Emissionsanalysen unklar ist, ob das Dampfen solcher Liquids schädlich ist und

(iii) man bis zum Vorliegen einer verlässlichen Risikoanalyse Sucralose-haltige Liquids meiden sollte.

[...]

Ohne Emissionsanalysen lässt sich die Exposition mit diesen Verbindungen nicht abschätzen. Ich rate aber einstweilen dazu Sucralose-haltige Liquids zu meiden. Die Zersetzungsprodukte sind doch einigermaßen ekelhaft. Zumindest sollten die Hersteller verpflichtet werden, den Sucralosegehalt ihrer Liquids und Aromen zu deklarieren, damit man weiß, woran man ist und selbst entscheiden kann. Als Konsument würde ich die Händler diesbezüglich unter Druck setzen.”

Prof. Dr. Dr. Rode, von der Vape Research KG, rät ebenfalls davon ab:

“Aus den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit läßt sich jedenfalls eindeutig folgern, dass die Verwendung von Sucralose in e-Liquids bei höheren Verdampfungstemperaturen unbedingt vermieden werden soll.”

Wer hält Sucralose für harmlos?

In der Dampferszene gibt es einige, die hier keinerlei Gefahr, sondern reine Panikmache sehen. Zu oft haben sie erlebt, wie medial versucht wurde aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Und damit haben sie sehr oft Recht gehabt. In diesem Fall ist ihre Argumentation allerdings ähnlich emotional wie die der Panikmacher.

Neben vielen Liquid-Herstellern, die sich zwar öffentlich nicht äußern, aber munter weiter Sucralose in ihre Liquids mischen ohne dies zu deklarieren, finden sich einige Blogger und YouTuber, welche die Diskussion lächerlich finden und mit dem Finger auf andere potentielle Dioxin-Quellen in unserem Alltag zeigen. Desweiteren argumentiert, z.B. die “Dampfdruck Presse”, dass man nicht von einer Schädlichkeit sprechen kann, solange man nicht weiß, wie viel es genau ist. Denn Mengen unterhalb des NOEL (No Observed Effect Level; toxikologischer Endpunkt in der Toxizitätsbestimmung) hätten faktisch keinen toxischen Effekt.

Das ist sicherlich nicht ganz falsch, aber nur weil noch keine Schädlichkeit nachgewiesen wurde (was gar nicht so einfach ist), kann man nicht automatisch von einer Harmlosigkeit ausgehen. Und wenn die Verbände keine Analyse-Ergebnisse veröffentlichen und sämtliche Experten davon abraten, sollte man vielleicht schon ein wenig skeptisch werden.

Fazit - ein vermeidbares Risiko

Niemand kann zum heutigen Zeitpunkt mit Sicherheit sagen, ob Sucralose-haltige Liquids eine echte Gefahr darstellen und falls ja, wie groß diese Gefahr sein mag. Zur besseren Einschätzung hier aber eine kurze Zusammenfassung der für uns relevanten Fakten:

  • Alle bisherigen Studien bestätigen, dass toxische und krebserregende Substanzen (wenn auch in relativ geringen Konzentrationen) entstehen, sobald man Sucralose auf über 120° erhitzt.
  • Alle Experten, die sich öffentlich zu dem Thema äußerten, raten ausdrücklich davon ab Sucralose in E-Liquids zu verwenden.
  • Einige Liquid- und Aromenhersteller verzichten schon lange, trotz der hohen Nachfrage, darauf Sucralose in ihren Produkten zu verwenden.
  • Die beiden großen deutschen E-Zigaretten Verbände BfTG und VDEH haben beide Analysen durchführen lassen, um festzustellen, wie hoch die Schadstoffkonzentration im Dampf Sucralose-haltiger Liquids ist. Die Ergebnisse haben sie jedoch nie veröffentlicht.
  • Die Einzigen, die überzeugt sind, dass Sucralose-haltige Liquids keinerlei Gefahr bergen sind einige Liquidhersteller und ein bekannter YouTuber (VSI).

Diese Fakten haben uns zu der Überzeugung gebracht, in unserem Sortiment sucralosefreie Produkte zu bevorzugen. Für alle, die ohne Sucralose wieder zum Glimmstengel greifen würden, bieten wir vielleicht zukünftig dennoch ein paar Sucralose-haltige Aromen an. Da unsere Mission ist, das Dampfen so sicher wie möglich zu machen, würden wir diese Produkte mit einem dicken Warnhinweis und einem Link auf diesen Artikel versehen. Denn wir sind nicht für Verbote, sondern für bestmögliche Aufklärung. Am Ende sollte jeder für sich selber entscheiden dürfen.

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