Dampfen und Gesundheit

Sicherer Dampfen Teil 1 – Nutzerverhalten

Christian Allgemein Schreibe einen Kommentar

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Inhalte

Vorwort

In der Gesundheitspolitik wird ein erbitterter Kampf geführt. Die einen würden das Dampfen am liebsten gesetzlich verbieten, um die Kinder davor zu schützen, während die anderen empfehlen es staatlich zu subventionieren, um Rauchern eine deutlich weniger schädliche Alternative zu bieten.

Eine Frage, die dabei leider überhaupt nicht öffentlich geführt wird, mich aber persönlich seit 2011 beschäftigt, ist die Folgende:

Wie können wir das Dampfen noch sicherer machen?

Schließlich wird in vielen Studien (z.B. in der Studie des britischen Gesundheitsministeriums), als auch in allen wissenschaftlichen deutschen Fachbüchern zur E-Zigarette, darauf aufmerksam gemacht, dass die Geräte und Liquids sehr große Unterschiede aufweisen. Denn die gemessenen Schadstoffkonzentrationen können je nach Gerät, Geräteeinstellung, Liquid und Anwendung stark variieren. 

Leider beschäftigt sich die Industrie mehr mit der Frage, wie man die Geschmäcker intensiver machen und die Liquids knalliger färben kann, um beim nächsten Hype mit dabei zu sein. Denn das Reden über Risiken wirkt sich nicht besonders positiv auf die Verkaufszahlen aus. Daher wird seitens der Hersteller und Händler bei diesem Thema gerne geschwiegen.

Wir aber glauben, dass es das Beste für die Dampfergemeinde wäre, wenn sich die E-Zigaretten-Industrie stärker darauf konzentrieren würde herauszufinden, wo genau die Unterschiede liegen und wie ihre Kunden sicherer dampfen können.

Als Shop-Betreiber sind wir nun seit 2016 ebenfalls Teil dieser Industrie. Doch anstatt zu schweigen, oder gar zu verharmlosen, möchten wir mit diesem Beitrag unsere Kunden und Leser aufklären. Wir möchten Euch an allem teilhaben lassen, was wir zu den Unterschieden und Restrisiken herausfinden konnten.

Wir hoffen damit eine Diskussion anstoßen zu können, die andere Händler und Hersteller dazu inspiriert transparenter in ihrem Handeln zu werden und das Thema Sicherheit beim Dampfen mehr in den Fokus zu rücken.

Dampfverhalten

Weniger ist mehr

Fangen wir mit einem Punkt an, den viele Dampfer nur ungerne hören werden. Denn auch beim Dampfen gilt: Die Dosis macht das Gift. Es gibt zwar noch keine aufschlussreichen Studien über diesen Aspekt, aber der gesunde Menschenverstand legt Nahe, dass es sicherlich besser ist bei 10 Watt zu dampfen anstatt bei 200 Watt.

Auch hier hat die Industrie eher daran gearbeitet leistungsstärkere Geräte zu entwickeln und verleiht sogar regelmäßig Awards für die größte Wolke. Das ist auch vollkommen okay und wer Spaß daran hat, dem möchten wir das nicht madig machen.

Aber wer darauf bedacht ist Restrisiken beim Dampfen zu minimieren, kommt um diese Wahrheit nicht herum.

Paffen oder flacher inhalieren

Zigarren sind laut Studien (z.B. https://europepmc.org/article/pmc/pmc6942997) deutlich weniger gesundheitsschädlich als Zigaretten. Das liegt aber nicht daran, dass der Tabak unschädlicher wäre oder bei der Verbrennung weniger Schadstoffe entstünden.

Das kleinere Risiko wird vor allem auf die Art des Inhalierens zurückgeführt. Denn Zigarren werden - zumindest in den allermeisten Fällen - nur gepafft und nicht tief inhaliert. D.h. es dringen viel weniger Schadstoffe in die Bronchien vor.

Für die meisten ist das Paffen keine echte Alternative zur konventionellen Inhalation. Das Gefühl das beim Einatmen entsteht, der sogenannte Throat-Hit, ist für viele eines der wichtigsten Aspekte des Rauchens bzw. Dampfens. Der Raucher ist es gewöhnt zu inhalieren und er will dabei auch etwas spüren.

Aber es gibt hier nicht nur entweder oder. Man kann auch versuchen, weniger tief zu inhalieren. Denn je flacher die Inhalation, desto weniger Schadstoffe dringen in das Lungengewebe und deren Alveolen ein.

Beim Dampfen haben wir natürlich sehr viel weniger Schadstoffe als beim Rauchen. Aber sollte sich in einigen Jahren herausstellen, dass z.B. ein bestimmtes Aroma eine schädliche Wirkung auf die Lunge hat, dann würde es wahrscheinlich auch vorteilhaft sein, wenn man dieses nicht allzu tief inhaliert hat.

Zudem könnte man sich durch eine schrittweise Reduktion der Inhalationstiefe das Dampfen langsam abgewöhnen oder zum reinen Paffen übergehen.

Nikotinmenge ehrlich betrachten

Sehr viele Menschen denken immer noch, dass Nikotin krebserregend sei und um jeden Preis gemieden werden sollte.

Allerdings ist Nikotin längst nicht so schädlich wie viele meinen. Um das Thema Nikotin zu erläutern muss man aber etwas weiter ausholen. Und wer könnte das besser als der Toxikologe Prof. Dr. Bernd Mayer. Jedem der sich für dieses Thema interessiert, können wir dieses Video wärmstens ans Herz legen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Das Problem beim nikotinfreiem Dampfen ist, dass man ohne Nikotin kein Druckgefühl im Rachen verspürt, was zur Folge hat, dass “irgendetwas fehlt”. Daraufhin wird dann oft einfach die Leistung so weit erhöht, dass man auch mit sehr wenig oder gar keinem Nikotin ein Druckgefühl beim Inhalieren spürt.

Viele denken nur an die Nikotinkonzentration im Liquid, statt an die tatsächliche Nikotinmenge, die sie unterm Strich inhalieren. So inhaliert ein Dampfer, der auf 100 Watt mit einem 3mg-Nikotin-Liquid dampft, mehr Nikotin als einer der auf 10 Watt mit einem 18mg-Nikotin-Liquid unterwegs ist. Denn die Nikotinangabe auf den Flaschen bezieht sich immer nur auf einen Milliliter. Und dieser wird bei 100 Watt natürlich schneller verdampft, als bei 10 Watt Leistung.

Image

Achte auf ausreichend Liquid im Tank

Je nach Verdampfertyp, eingestellter Leistung und Zugverhalten gilt: ca. 10-25% Füllstand sollten nicht unterschritten werden. Denn je niedriger der Füllstand, desto niedriger der Staudruck im Tank, desto höher das Vakuum und desto langsamer fließt das Liquid nach, bzw. kommt es in manchen Fällen gar nicht erst an die Wattezufuhrlöcher.

Und wenn das Liquid nicht mehr, oder nicht mehr schnell genug, nachfließt, wird die Watte trocken und beginnt zu verkokeln.

Wechsel Deinen Verdampferkopf rechtzeitig

Viele von Euch werden jetzt wahrscheinlich denken: "Einen verkokelten Verdampferkopf erkennt man doch sofort!"

Das ist aber unserer Erfahrung nach nicht ganz richtig. Denn wir haben selbst eine kleine Untersuchung zum Thema Haltbarkeit von Verdampferköpfen gemacht und unsere Kunden gefragt, ob ihr Verdampferkopf noch in Ordnung ist. Unabhängig von ihrer Antwort haben wir ihren Verdampferkopf dann auseinander genommen und die Watte inspiziert. Ergebnis:

Die meisten Dampfer erkennen schleichendes kokeln nicht

48 von 87 Dampfer schätzten den Zustand ihres Verdampferkopfes falsch ein. Denn während fast jeder Dampfer einen schlagartigen "Dry-Hit" sofort erkennt, gilt dies nicht für schleichendes Kokeln, welches sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. D.h wenn bei jedem Zug nur ein paar einzelne Fasern verkokeln, merken wir nichts von dem, zugegebenermaßen minimalen, Verkokeln der Watte.

Image

Verglichen mit den Schadstoffmengen einer Tabakzigarette, sind diese Belastungen immer noch sehr gering. Aber wir wollen hier Wege aufzeigen, wie man diese noch weiter minimieren kann.

Tipp: Mache einen Abstrich!

Wenn Du Dir nicht ganz sicher bist, ob der Verdampferkopf noch in Ordnung ist, kannst Du mit einem Abstrich Licht ins Dunkel bringen. Dafür nimmst Du, einen 2-10 cm breiten Streifen (je nach Papierdicke und Innendurchmesser der Wicklung) von einem Taschentuch oder einer Küchenrolle, zwirbelst diesen zu einem dünnen Röhrchen, und drehst es von oben in den Verdampferkopf.

Wenn Du schwarze Verfärbungen am Papier erkennen kannst, ist der Coil durch. Wenn noch alles weiß bzw. “liquidfarben” ist, ist noch alles in Ordnung.

Image

Vermeide extrem lange Züge

Manche unserer Kunden ziehen an ihrer E-Zigarette für über 8 Sekunden. Oft inklusive so genanntem “anpaffen”. Das kann man so machen, allerdings empfehlen wir dann die Leistung niedrig zu halten. Denn sonst kommt es auch hier schnell zum Abriss des Liquidnachflusses und damit zu dem oben erläuterten, schleichedem Kokeln.

Mache ausreichend Pausen zwischen den Zügen

Hektiker ziehen phasenweise mehr als 10 mal pro Minute an ihrer Dampfe. Auch hier sollte die Leistung niedriger als normal eingestellt werden, damit der Liquidnachfluss nicht abreißt.

Verzichte auf das ausglühen einfacher Drähte

Dr. Konstantinos Farsalinos hatte davor abgeraten einen Draht auszuglühen, da Metalle bei derart hohen Temperaturen oxidieren und Emissionen verschiedener schädlicher Substanzen freisetzen.

Darum empfehlen wir bei einfachen Drähten auch, den Draht nur mit einem Tuch und Wasser oder Alkohol zu reinigen.

Allerdings sagen viele Dampfer (darunter auch der Toxikologe Prof. Dr. Bernd Mayer), dass die gemessenen Emissionen immer noch sehr niedrig sind. Auch Farsalinos selbst macht das in diesem Beitrag deutlich. Außerdem ist es bei vielen Drähten, und insbesondere Drahtkombinationen (Clapton, Twisted, Stapled, etc), so, dass es ohne ein vorhergehendes Ausglühen zu Hotspots kommt. D.h. dass bestimmte Punkte überhitzen und an diesen Stellen somit Watte verkokeln würden. Dementsprechend wären die Schadstoffbelastungen in solchen Fällen wahrscheinlich ohne Ausglühen höher als ohne.

Geräteeinstellungen

Dampfe im unteren Leistungsbereich

Auch wenn der Tank ganz gefüllt ist, sollte man immer den angegebenen Leistungsbereich beachten und lieber an dessen unteren Ende dampfen. Geht man zu weit über die angegebene Grenze hinaus, wird der Draht zu heiß und verbrennt die Watte.

Das bestätigen auch mehrere Studien, bei denen E-Zigaretten mit unterschiedlichen Leistungen betrieben wurden. In dieser Studie wurde zum Beispiel ein Aspire Cleito (Arbeitsbereich 40-70 Watt) mit bis zu 180 Watt betrieben...

Image

Man kann an der Grafik gut erkennen, dass bei den beiden Messpunkten mit 40 und 60 Watt, die Kohlenmonoxid-Konzentration nahe Null liegt. Je höher man aber die Leistung steigert, desto mehr Schadstoffe entstehen.

Allerdings sollte man bei über 100 Watt auf einem Aspire Cleito nicht mehr von "dampfen" sprechen. Denn hier verbrennt hauptsächlich Watte und es wird somit geraucht. Das würde auch jeder Dampfer sofort auf sehr unangenehme Weise spüren.

Aber auch andere Studien, z.B. diese hier, zeigen, dass schon bei geringerer Erhöhung der Leistung mehr Schadstoffe entstehen. Hier eine Grafik aus der Studie:

Image

Interessant ist hierbei auch, dass einige Probanden schon bei 4 Volt einen verbrannten Geschmack erkannten - allerdings längst nicht alle. So heißt es in der Studie:

"Trockene Züge wurden von 8 Teilnehmern bei 4,0 V (7,3 W), von 15 bei 4,2 V (8,0 W) und von 3 Teilnehmern erst bei 4,4 V (8,4 W) festgestellt. Keiner der Teilnehmer war bereit, das Gerät bei 5,0 V auszuprobieren, mit der Begründung, der zu erwartende Geschmack sei sehr unangenehm."

Nutze den Temperaturmodus

Viele Akkuträger bieten die Möglichkeit im Temperaturmodus zu dampfen. Dadurch lassen sich klassische Dry-Burns, und damit verbundene Schadstoffemissionen, effektiv verhindern. Leider eignen sich nicht alle Drahtmaterialen für diesen Modus. Wir empfehlen Edelstahl - warum erklären wir ausführlich in diesem Artikel.

Akkusicherheit

Auch wenn es äußert selten vorkommt, gibt es immer wieder Fälle von entgasenden oder gar explodierenden Akkus in E-Zigaretten. In fast allen Fällen geschehen diese Unfälle aus Unwissenheit oder fahrlässigem Umgang mit den empfindlichen Akkuzellen. In diesem Fall (siehe Bild) traf es einen kanadischen Teenager. In den USA wurden zwischen 2009-2015 insgesamt 92 Fälle von explodierenden Akkus gemeldet. Auch hier in Köln gab es schon einen ähnlichen Fall (siehe hier).

Image

Falls Du eine E-Zigarette mit fest eingebautem Akku hast, brauchst Du Dir keine größeren Gedanken zu machen. Behandle das Gerät einfach genauso vorsichtig wie Dein Handy oder ein anderes Elektrogerät mit Lithium-Ionen Akku.

Solltest Du allerdings eine wechselbare Akkuzelle (z.B. eine 18650-er) verwenden, solltest Du Dich unbedingt mit den 12 Regeln der Akkusicherheit vertraut machen. Der häufigste Fehler ist, Akkuzellen ungeschützt zu transportieren. Dann können z.B. Schlüssel oder Münzen einen Kurzschluss verursachen, welcher im schlimmsten Fall in einem Brand endet.

Im folgenden Video erklären wir alles, was Du zum Thema Akkusicherheit wissen musst.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.